Vom Training mit der Olympiasiegerin, Mochi-Eis und steinharten Matratzen
Aktualisiert: vor 6 Minuten
Von Annatina Lippuner
Am Freitag, 4. September, um 19.15 Uhr hob der Flieger am Flughafen in Zürich ab. Gemeinsam mit Svenja Jungo, meiner Kollegin vom Schweizer Frauen-Nationalkader, sowie dem Männer-Freistilkader durfte ich nach Japan reisen, um dort in einem dreiwöchigen Trainingslager den letzten Feinschliff für die U23-Weltmeisterschaften zu holen. Die finden dann Mitte Oktober auf der anderen Seite der Welt statt, in Las Vegas in den USA. In Japan landeten wir am Flughafen in Narita und reisten von dort weiter an die Ikuei-Universität in Takasaki, etwa eineinhalb Autostunden weg von der Hauptstadt Tokio. Von den dortigen Trainerinnen und Trainern wurden wir sehr herzlich willkommen geheissen. Wir haben uns von Anfang an richtig wohlgefühlt.
Ich war zwar schon mehrmals in Japan im Trainingslager, doch das war mein erstes Lager an der Ikuei-Universität. Da trainieren viele starke Ringerinnen und Ringer im Freistil und im Greco. Die Trainings werden vom japanischen Frauennationaltrainer geleitet. Besonders cool war, dass auch Sakura Motoki, die Olympiasiegerin von Paris 2024 in meiner Gewichtskategorie, mit uns auf der Matte stand und ich mit ihr trainieren konnte. Neben der Olympiasiegerin trainierten wir auch mit mehreren Weltmeisterinnen.

Untergebracht waren Svenja und ich in einer alten Sportlerwohnung, die wir mit zwei deutschen Ringer-Kolleginnen geteilt haben. Die beiden Deutschen kennen wir aus dem Sport-Gymnasium in Freiburg bereits sehr gut. Die Matratzen in unserer Unterkunft waren steinhart und lagen direkt auf dem Boden. Aber wir sind uns von den vielen Trainingslagern einiges gewöhnt und haben das Beste daraus gemacht.

Die Trainingslager in Japan sind immer sehr intensiv. Morgens um 8.30 Uhr standen meist Krafttraining oder HIIT-Einheiten auf dem Plan und am Nachmittag um 16.00 Uhr ging es auf die Matte.

Die Matteneinheiten dauerten jeweils 2.5 Stunden! Unsere japanischen Trainingspartnerinnen waren sehr stark und vor allem blitzschnell. Einmal geblinzelt, schon waren sie an meinen Beinen. Die Japanerinnen haben uns viel abverlangt, aber ich habe gemerkt, dass ich mich von Training zu Training besser an ihren Kampfstil gewöhnen konnte.
Zu Beginn war mein Ziel, möglichst keine Punkte abzugeben. Je länger das Trainingslager dauerte, desto mehr konnte ich mich auch auf die Offensive konzentrieren, eigene Angriffe durchbringen und Punkte erkämpfen. Diese Fortschritte haben mich extrem motiviert – genau dafür sind wir nach Japan gereist!
Trotz der hohen Intensität hat das Training richtig viel Spass gemacht. Nach zwei Wochen bekam ich allerdings immer stärkere Rückenschmerzen – ein Problem, das ich schon seit einigen Monaten vor mir herschiebe. Wegen der stärker werdenden Schmerzen musste ich auch einige Trainings auslassen. Währenddessen konzentrierte ich mich auf Mobilitätsübungen und Physiotherapie. So habe ich mir das Trainingslager zwar nicht vorgestellt, aber mein Ziel ist es ja, Mitte Oktober zur WM topfit zu sein und in Las Vegas meine beste Leistung abrufen zu können.

Neben den vielen Trainingseinheiten kam auch das Erlebnis «Japan» nicht zu kurz. An unseren freien Tagen konnten wir sogar nach Tokio fahren und die grosse Stadt besichtigen.

Auch das Essen war richtig lecker. Zu praktisch jedem Gericht gab es Reis, den ich sehr gerne esse.

Die japanischen Athletinnen und Athleten waren sehr offen und herzlich. Ich konnte einige neue Freundschaften knüpfen.

Mit dem deutschen Frauenteam hatten wir ebenfalls eine mega lustige Zeit. Abends haben wir oft gemeinsame Spaziergänge gemacht, uns Snacks in unserem Lieblingsladen 7-Eleven geholt (Mochi-Eis und 7-Eleven-Smoothies waren meine absoluten Favoriten!) oder zusammen lustige Spiele gespielt. Solche Momente neben der Matte machen das Trainingslager unvergesslich!

Letzten Donnerstag war das Trainingslager dann auch schon vorüber und wir sind wieder in die Schweiz zurückgereist. Ehrlich gesagt war ich etwas traurig, dass die drei Wochen bereits vorbei waren und wir wieder in den Flieger steigen mussten. Aber so ist es ja meistens mit den schönen Dingen.
Rückblickend waren die drei Wochen in Japan eine unglaublich wertvolle Erfahrung – natürlich sportlich, aber auch für mich persönlich. Ich konnte mit richtig starken Trainingspartnerinnen ringen, viel dazulernen und viele schöne Erinnerungen sammeln.
An meine Familie, den Ringerclub Oberriet-Grabs, mein Umfeld und all meine Sponsoren: Danke vielmals, dass ihr mich auf meinem Weg unterstützt und es mir ermöglicht, solche wichtigen und lehrreichen Trainingslager zu erleben. Dafür bin ich euch mega dankbar.







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