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Die Geschichte des Ringsports!
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Die Geschichte des Ringsports

Die Entstehung des Ringkampfes geht bis auf die Frühgeschichte der Menschheit zurück. Im Kampf von Mann zu Mann wurden Familien verteidigt und Rivalitäten ausgetragen. Im Altertum besass der Mensch nur wenige und sehr primitive Waffen. Er war deshalb gezwungen, ausschliesslich mit seinen körperlichen Kräften und seiner Intelligenz den Kampf gegen die Natur, gegen Tiere und gegen seine Mitmenschen zu führen. Mit der Entwicklung besserer Waffen trat dieser Zweck des Ringkampfes allmählich zurück. Nun sah man im Ringsport aber auch ein Mittel der Körpertüchtigung. Der taktische Zweikampf machte den Menschen stark und gewandt und half ihm, die neuen Anforderungen und Herausforderungen des Lebens zu bestehen. In diesem Zeitalter war nach zeitgenössischem Gesichtspunkt jeder Tag im Leben eine echte Leistung. Der Kampf diente dabei der Verteidigung und half, einen neuen hierarchischen Platz innerhalb der sozialen Gruppen aufzugreifen oder den alten zu verteidigen. Gleichzeitig war er ein wesentlicher Bestandteil des religiösen und kulturellen Lebens des Individuums und der Gesellschaft. Die Menschen haben ihre Kampftechniken immer wieder verbessert, indem sie den Tieren bei Streitigkeiten zugesehen haben und deren Begeisterung und Bewegungen nachgeahmt haben. Es wurden sogar Kämpfe gegen Tiere durchgeführt. Wer solche Tierkämpfe überlebte, wurde als Held gefeiert. Der Ringkampf wurde in fast allen Kulturen ausgeübt. Erstmals erlangte er in China, Ägypten, Griechenland und Assyrien eine grosse Bedeutung. Bei den Kindern erhielt der Ringkampf erstmals den Spiel- und Wettkampfcharakter.
Vasen und Wände der Tempelgräber von Beni Hassan bezeugen, dass schon 5000 Jahre vor Chr. in Ägypten der Ringkampf gelehrt wurde. Auch auf ägyptischen Pyramiden wurden aus dieser Zeit bildhauerische und zeichnerische Werke über das Ringen gefunden. Die Regeln entsprachen etwa denen unseres heutigen freien Ringkampfes. Damals wurde von Künstlern vor allem das Interessante aus ihrem Leben dargestellt. Ausgrabungen und Funde aus Höhlen und Gräbern aus dieser Zeit zeugen deshalb von der damaligen Begeisterung für den Ringkampf. Es ist bekannt, dass in China schon um 3000 vor Chr. ein „Tag des Ringens“ durchgeführt wurde, an dem die Kunst des Ringens als Brauch demonstriert wurde. In Japan hat sich eine alte Ringkunst herausgebildet, das Sumo. In Deutschland ist die Raufkunst, ein altes Bauernringen entstanden. So haben alle Völker in ihrer urgesellschaftlichen Entwicklungsphase eine Art dieser Kampfkultur hervorgebracht. Damals haben alle Männer diese Sportart ausgeübt.
In Griechenland, dem klassischen Land der Entwicklung der Körperkultur in der Sklavenhaltergesellschaft, hatte der Ringkampf in der griechischen Antike eine besondere Bedeutung. Künstler haben immer wieder den Ringer und Ringkampf dargestellt. Mit dem Ziel, der vollkommenen Körperbildung zu dienen, war das Ringen immer die Sportart der sozial höher gestellten Bevölkerungsgruppen. Der Ringsport galt als heilige Sportart.
So wurde beispielsweise kein Kampf ausgetragen, wenn Krieg herrschte. 708 vor Christi wurde das Ringen in die antiken olympischen Spiele aufgenommen, jedoch erst für Athleten ab dem 18. Lebensjahr. Im Jahre 632 vor Christi kam dann die Klasse der Knaben bis 16 Jahre hinzu. Die Sieger Olympischer Spiele wurden als Helden gefeiert, und oft wurde eine Statue im Geburtsort des Gewinners errichtet. Einer der bekanntesten Olympiasieger im antiken Griechenland war Milon von Kroton. Er galt nicht nur als unbesiegbar, man bewunderte auch den schön gewachsenen Körper des Athleten. Dieser entsprach dem Schönheitsideal jener Zeit. Die griechischen Ringkampfstile dienten der Ausbildung aller wichtigen physischen Eigenschaften und motorischen Fähigkeiten. In der Schule wurde der
Ringkampf als wichtiges Mittel der charakterlichen Erziehung eingesetzt. Das Ringen wurde in Griechenland in drei klar voneinander getrennten Klassen durchgeführt:
1. als Einzeldisziplin
2. als Endkampf des Pentathlon, ein Fünfkampf mit den
Disziplinen Laufen, Weitsprung, Speer- und Diskus-
werfen und eben Ringen als alles entscheidende Disziplin
3. als Ringkampf der Jugend
Das Kennzeichen des griechischen Kampfes war der Standringkampf. Der Gegner musste aus dem Stand zum Fallen gebracht werden, wobei bereits ein Kniefall als Niederlage zählte. Schutzpatron und Gott der Ringer war Herakles. Man sagt, Theseus habe die Ringkunst begründet und die Techniken und Regeln festgelegt. Für die Griechen war das Ringen eine so einflussreiche kulturelle Schöpfung, dass sie einem Gott (Herakles) zugeschrieben wurde. Mit dem Niedergang der politischen Macht Griechenlands verlor leider auch die Körperkultur ihre Bedeutung. Nun bestimmte das römische Reich die Entwicklung von Kultur und Wirtschaft.
Das griechische Ringen wurde zur Zeit des römischen Imperiums weitergepflegt. Seine Vertretung bildete die Ringergilde, eine Vereinigung mit dem Namen ihres Schutzpatrons Herkules. Die Römer interessierten sich mehr für die direkte kriegerische Ausbildung als für die Weiterentwicklung der Körperkultur. Mit dem späteren Zerfall der römischen Sklavenhalterordnung verlor der Ringkampf immer mehr an sportlichem Wert.
So wurde der Ringkampf später zum Schaukampf der Gladiatoren auf Leben und Tod degradiert, ausschliesslich um der Sensationslust zu dienen.
Erst in der Feudalgesellschaft finden sich in Europa wieder breitere Spuren des Ringkampfes. Im Mittelalter war der Ringkampf stark vom Klassencharakter bestimmt. Könige und Kaiser führten diesen Sport mit grosser Leidenschaft durch. Im Jahr 1520 trafen sich sogar die Könige von England (Heinrich VIII) und von Frankreich (Franz I) zu einem rein sportlichen Ringwettkampf auf höchster Rangebene. Die damals herrschende Klasse, die Feudalherren, sahen im Ringkampf ein bedeutendes Mittel zur Körpertüchtigung ihrer heranwachsenden Jugend. Er gehörte zu den sieben Behändigkeiten und somit zu den Erziehungsprinzipien der ritterlichen Ausbildung. Viele Lieder und Verse berichten uns heute davon, unter anderem auch der folgende Vers aus „Der Tugenden Schatz“ von Alswets:
Die ritterliche fröhlichkeit
Mit loufin und mit springin
Manig höbischis spel zu wege treid
Mit schiessin, werfin und ringin.
Aber auch für die unterdrückten Bauern war der Ringkampf wichtig, um sich auf ihre Befreiung vorzubereiten. Aus Angst vor Aufständen wurde ihnen das Waffentragen verboten. Deshalb war für sie das Ringen die einzige Möglichkeit, sich in aller Öffentlichkeit körperlich auf eine Auseinandersetzung vorzubereiten. Während des Bauernkrieges wurde das Ringen von den Bauern zur Körpertüchtigung und Erholung ausgeübt.
Nach dem 30jährigen Krieg war das ganze Land ausgeblutet und entvölkert und nun starb auch der Ringkampf beinahe aus. Die Menschen hatten grössere Sorgen als Sport und Wettkampf. Mit dem Leitwort „zurück zur Natur“ von Rousseau im 18./19. Jahrhundert wurde der Ringkampf wieder populär, denn Leibeserziehung und Leibesübungen gewannen wieder an Aufmerksamkeit. Bekannte Philantropen und Pädagogen entdeckten neue Erziehungs- und Bildungswerte des Ringkampfes. Der Schöpfer der damaligen Gymnastik, Guts Muths (1759 – 1863), beurteilte den Ringsport folgendermassen: „Die ganze Lehre von der Leibesübung hat nicht eine einzige Disziplin aufzustellen, welche alle Muskeln und Glieder so allgemein in Anstrengung brächte und keine, welche zugleich unter dem schnellsten Wechsel bald diese, bald jene Muskeln und Glieder in Anspruch nehme, als das Ringen.“ Im 19. Jahrhundert war das Ringen in Europa weit verbreitet.
Unabhängig voneinander entwickelten sich im Laufe der Zeit in vielen Volksgruppen typische Formen des Ringkampfs. So in der Schweiz das „Schwingen“, in Bayern und Tirol das „Rankeln“, in Island das „Glima“, in Japan das „Sumo“, in Nordamerika das „indianische Beinringen“, in Frankreich das „Wälzringen“, in Deutschland die „Raufkunst“, in Amerkika das „Catchen“ und in Brasilien der sehr bekannte „Fusskampf“. Weitere bekannte Kampfsportarten wie Karate und Judo sind aus dem Ringen entstanden.
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